Das Hexerl - BLOG - Tenkara AUSTRIA

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Das Hexerl

Tenkara AUSTRIA
Herausgegeben von in Fliegenbinden ·

Mit freundlicher Genehmigung von Walter Reisinger




Walter Reisinger beim Hexerl-Binden an der Goiserer Traun.






Die älteste Erwähnung des Namens "Hexe" fand sich im "Taschenbuch der Angelfischerei"  von Max von dem Borne,
sechste Auflage (1922), neubearbeitet und ergänzt von Karl Fliege. In diesem Buch ist eine farbige Fliegentafel mit
insgesamt 40 abgebildeten Kunstfliegen. Nr. 27 wird als "Geißlers Hexe" beschrieben und sie wird außerdem schon
eindeutig als eine "kleinere Form für die Äschenfischerei" klassifiziert.

Die Firma Geißler hat zur damaligen Zeit, laut Herrn Fliege, mit ihren Kunstfliegen Aufsehen erregt.  Besonders
erwähnt er dessen "Patria" Fliegen, die wortwörtlich "als ungemein wirksam und mit  Recht als universell
bezeichnet werden können".

Aber zurück zum Hexerl. Wegen des damaligen Namens "Geißlers Hexe" gehe ich davon aus, dass Geißler dieses
Muster auch entwickelt hat. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat Geißler die original englische "Witch", die mit einer
honigfarbenen, palmerartigen Körperhechel gebunden wird, nach Art der "Red Tag" modifiziert. Damit veränderte er
aber nachhaltig die Schwimmhaltung auf der Wasseroberfläche, möglicherweise das Erfolgsgeheimnis des Hexerls.

Im Borne, siebente Auflage (1933), findet man die Hexe wieder, allerdings wird der Name "Geißler"  nicht mehr
erwähnt, auch nicht in Verbindung mit einer anderen Fliege. Erstmalig wird die Hexe  näher beschrieben:

"27. H e x e. Phantasiefliege, in den kleinen Nummern gute Äschenfliege, groß vorzügliche Döbelfliege.
Körper: mäßig dick, bronzefarbige Fibern von der Augenfeder des Pfauen, bei den großen Nummern mit Silberlametta
gerippt.
Hechel: silbergrau, Hahn oder Dachshechel.
Schwanz: ein Büschel zinnoberrot gefärbter Federfibern oder Wolle, kurz, pinselförmig."






Original Hexe mit Dachshechel und Silberlametta gerippt.






Anfang der 80er Jahre kamen die amerikanischen Hahnen-Zuchtbälge auf den europäischen Markt  und die Dachs-
Hechel wurde sinnvollerweise durch die in kleinen Größen leichter zu beschaffende  Grizzly-Hechel ersetzt. Der
Name "Hexe" wurde auf "Hexerl" verniedlicht, da sie überaus erfolgreich in kleinen Nummern auf Äschen gefischt
wurde.

Obwohl für den Tag in der original Bindeweise rote Federfibern oder rote Wolle angegeben wird  (William Ernest
Davies führt rote Ibisfedern oder ein rotes Wollbüschel an), setzte sich das kurze rote Wollbüschel durch.
Neuerdings wird dieses rote Wollbüschel aber durch rote, wasserabweisende Kunststofffasern ersetzt.

Die Hexe war auch eine Lieblingsfliege von Hans Gebetsroither und Toni Pesendorfer, die Fischmeister der
Gmundner-Traun. Es gibt laut Hans Aigner einen verbürgten Ausspruch von Hans Gebetsroither:  "Wann gar nix
geht, duast a Hexerl drauf und wirfst das unter die Staudn."
Bezüglich dessen, was das Hexerl darstellen soll, gehen die Meinungen auseinander. Viele meinen, dass es ins
Wasser gefallene Käfer imitiert, was zu gewissen Jahreszeiten sicherlich zutrifft.

Roman Moser hat es einmal mit dem Pummerl-Stadium in Verbindung gebracht. Gemeint ist, dass  Eintagsfliegen
in der Phase des Schlupfes im Thoraxbereich rundlich, pummelig werden, womit er sicherlich auch richtig liegt.
Noch viel deutlicher pummelig wirken allerdings auf der Wasseroberfläche schlüpfende Köcherfliegen. Der rote
Tag, der ja eine deutlich kontrastierende Farbe zum Körper hat, imitiert bei diesem Stadium möglicherweise
die abstreifende Nymphen- bzw. Puppenhülle.

Eine weitere Möglichkeit könnte auch die Imitation sogenannter Tanzfliegen sein. Diese kleinen Fliegen treten
manchmal zu Millionen auf und tanzen dicht über den Gewässern. Männliche Fliegen stürzen sich oft auf andere
Fliegen, manchmal mehrere auf einmal, verlieren dabei die Kontrolle und fallen aufs Wasser. Dieser kugelige
Fliegenballen driftet kurz auf der Wasseroberfläche bevor er sich durch das Auffliegen der dunklen Insekten
wieder auflöst.

Besonders Äschen steigen gerne auf diese kugeligen Fliegenballen und im Oberflächenfilm verbleibende Fliegen.
Das pummelige Hexerl imitiert ideal auch dieses Stadium.

Bindeanleitung:

Bindefaden anlegen und ein rotes Wollbüschel als Tag einbinden.


Drei Fibern Pfauengras mit einem Stück schwarzen Bindefaden (Sicherungsfaden) einbinden,
mit zwei zusätzlichen Windungen fixieren und den Bindefaden nach vorne führen.


Das nach vorne stehende Pfauengras (und Sicherungsfaden) verdrallen.


In der Mitte des Hakenschenkels drei Windungen machen und abbinden.


Das hintere Pfauengras mit dem Sicherungsfaden verdrallen.


Mit mehreren Wicklungen nach vorne den Körper formen. Mit dieser Technik (mittig einen
Unterkörper formen) kann man perfekte pummelige Körper bilden. So dick, wie man den
Unterkörper ausbildet, wird der fertige Körper. Geübte Binder verarbeiten Pfauengrasfibern
mit dem Bindefaden als Sicherungsfaden in einem.


Kopfhechel einbinden und einen Hechelkranz bilden.


Die Hechel abbinden, mit einem Kopfknoten abschließen und lackieren.
Die fertige Fliege - das pummelige Hexerl.




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