Interview mit Robert Kamleitner / Vizepräsident ÖFG 1880 zum Thema TENKARA - BLOG - TENKARA AUSTRIA

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Interview mit Robert Kamleitner / Vizepräsident ÖFG 1880 zum Thema TENKARA

TENKARA AUSTRIA
Herausgegeben von in Im Gespräch mit ... ·
Die Österreichische Fischereigesellschaft 1880 (eine der größten Gewässerbewirtschafterin in Österreich) hat voriges Jahr TENKARA für alle ihre Gewässer – mit entsprechenden sinnvollen Einschränkungen – freigegeben und TENKARA heuer auch in ihre Fischereiverordnung aufgenommen.

Ein Grund Robert Kamleitner, den Vizepräsidenten der ÖFG 1880 ein paar Fragen zu rund um TENKARA und der ÖFG 1880 zu stellen.



Robert, als du zum 1x mit der Thematik TENKARA in Berührung gekommen bist – was waren deine ersten Gedanken / Eindrücke ?
Ich dachte mir dass es sicher eine große Herausforderung ist nahe genug an die Fische heran zu kommen um erfolgreich zu sein. Die Technik
an sich weckte aber mein Interesse, da ich in den jugendlichen Anfängen meiner Fischerei sehr häufig mit Stippruten am Wasser anzutreffen
war. Gewisse Ähnlichkeiten in der Technik sind dabei ja nicht von der Hand zu weisen.







Du bist ja VizePräsident der ÖFG 1880, also eine bedeutende Position innerhalb dieser Gesellschaft. Nach langen Diskussionen – die sicher nicht einfach waren – hat die ÖFG 1880 alle Ihre Gewässer für TENKARA geöffnet. Warum wurde dieser Schritt gesetzt und TENKARA in eure
Fischerordung aufgenommen, obwohl es ja von den "normalen" FliegenfischernInnen zum Teil  Bedenken gibt ?
Die Diskussion und Entscheidung unter den Kollegen des Vorstandes war eigentlich nicht so langwierig und schwierig wie man erwarten würde.
Aus unserer Sicht gab es eigentlich wenige Punkte die uns zu dem Thema so kritisch erschienen wie sie oft unter den Fischerkollegen
diskutiert werden. Was uns wichtig zur Entscheidung war ist eine Schnurstärke von mind. 0,16mm, sowie keine zusätzliche Beschwerung auf Schnur oder Vorfach. Auch wiederhakenloses Fischen, was für die meisten Fliegenfischer heutzutage ohnehin selbstverständlich ist, ist in den
Gewässern der ÖFG in Verbindung mit Tenkara verpflichtend, da zu erwarten ist das doch ein hoher Anteil an untermaßigen Fischen gefangen
wird. Eine möglichst schonende Handhabung im Drill der Fische war uns also eine wichtige Grundlage für die Entscheidung. Zu den teilweise emotional geführten Diskussionen unter Befürwortern und Gegnern ist im Wesentlichen eigentlich nur anzumerken dass JEDES Regualtiv, wie
genau es auch immer verfasst wurde, letztendlich immer ein Appell an die fischenden Kollegen ist. Jeder der mit Fischereigerät ans Wasser
geht muss letztendlich, auch im Rahmen eines Regulatives, für sich entscheiden wie er die „Kontaktaufnahme mit der Natur“ betreibt. Als
Beispiel sei das hochemotional diskutierte Thema des „Catch an Release“ genannt, denn es ist zweifellos so dass Maßloses Catch an Release
wohl an einem Gewässer genauso viel Schaden anrichten kann als maßlose Entnahme, speziell von Fischen die für die Reproduktion im
Gewässersystem entscheidend sind. Maßgeblich zur Entscheidung FÜR Tenkara hat die Tatsache beigetragen dass vorwiegend kleinere
Flüsse und Bäche sehr gut für diese Technik geeignet sind. Leider hat sich in den letzten Jahren in Kreisen der Fliegenfischer die Meinung
etabliert dass man beim Fliegenfischen so viele große Fische wie möglich fangen muss, viele Meinungsbildner in den Fachmagazinen
präsentieren sich leider entsprechend unter dem Motto „wer hat den größten Fang vorzuweisen“! Dies bewirkt leider dass viele kleine Flüsse
und Bäche, zum großen Teil noch vollkommen unberührte Naturjuwele, in der Wertschätzung der fliegenfischenden Kollegen weit unten
angesiedelt sind, gibt es ja dort keine bis wenige Rekordforellen zu fangen von denen man am nächsten Stammtisch stolz berichten kann. Und
von schönen Erlebnissen in unberührter Natur zu berichten ist ja leider immer weniger populär geworden. Wir stehen also vor der Herausforderung auch diese Gewässer weiter zu hegen und zu pflegen um diese für die Fischerei nicht aus den Augen zu verlieren. Wie erwähnt sind es oft gerade diese Bäche die noch vollkommen unberührt und in ökologisch sehr gutem Zustand sind. Wendet sich aber die
Fischerei gänzlich von diesen Gewässern ab verlieren diese auch für die Verpächter/Eigentümer an Wertigkeit, es besteht also die Gefahr dass
andere Interessengruppen, wie zum Beispiel die Wasserkraft, ungehindert Zugang erhalten und diese letzten unberührten Naturabschnitte für
immer zerstört werden. Wir sehen in dem Thema Tenkara eine Chance diese Gewässer einer schonenden fischereilichen Nutzung zu erhalten
und dabei in der Bewirtschaftung ökologisch sinnvolle Maßnahmen zu setzen, weil es dem Tenkara – Fischer nicht vorrangig um die Größe der
zu erbeutenden Fische geht.

Wieviele praktizierende TENKARA-FischerInnen glaubst du gibt es innerhalb eurer Mitglieder.
Dahin gehend stecken wir sicherlich noch in den Anfängen. Eine genaue Anzahl kann ich im Moment nicht einschätzen, ich denke aber dass
sich das noch im niedrigen einstelligen %-Bereich abspielt.

Gibt es schon Feedbacks, erste Erfahrungen von den / mit den TENKARA FischerInnen ?
Einige Kollegen die Ihre ersten Versuche mit Tenkara unternommen haben hatten mir berichtet dass sie es als spannend und
abwechslungsreich empfunden haben. Vor allem die Herausforderung sich pirschend an die Fische heranzuschleichen ist ein anderer Zugang
an das Thema Fliegenfischen, ist man doch als Fliegenfischer meist geneigt den Fisch immer am gegenüberliegenden Ufer zu vermuten.

Wie siehst du TENKARA – Segen oder Fluch ?
Weder noch…..
Wie schon erwähnt ist es eine Chance, vor allem für kleinere Gewässer wieder einen angemessenen Stellenwert bei Fliegenfischern zu
erreichen. Wir sehen es auch, aufgrund der einfach zu erlernenden Technik, als optimale Einstiegsmöglichkeit für Kinder und Jugendliche in
das Thema der Fliegenfischerei, und was sollte mehr unser Ziel sein als die Kinder und Jugendlichen wieder der Natur näher zu bringen !

TENKARA führt in Österreich zur Zeit  – vorsichtig gesagt – ein nicht vorhandenes Nischendasein. Wie siehst du die Zukunft von TENKARA in Österreich Zukunft ?
Ich denke dass Tenkara für spezielle Gewässer und Situationen eine sehr schöne und abwechselnde Fliegentechnik darstellt. Das interessante
dabei ist die unmittelbare Kontaktaufnahme mit unserer geliebten Spezies Fisch. Die Nähe zum Fisch und die damit verbundenen Erlebnisse in Bezug auf das Verhalten der Fische öffnet auch dem erfahrenen Fischer neue Erkenntnisse, deshalb glaube ich dass sich bei Naturliebhabern
und Spezialisten das Thema auch weiter etablieren kann. Wenngleich wohl die breite Masse der Fischer den klassischen Techniken treu
bleiben werden.

Warst du schon selber TENKARA fischend unterwegs und wie wie war dein Eindruck, das Erlebnis ?
Leider hatte ich selbst noch recht wenig Gelegenheit Tenkara tiefgreifender zu erleben. Die ersten Tests an der Großen Krems nähe
Albrechtsberg waren aber sehr spannend und erlebnisreich.

Robert, ich bedanke mich für deine interessanten und umfassenden Antworten !


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